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Textarchiv der Berliner Zeitung

Datum:
26.03.2005
Ressort:
Feuilleton
Autor:
Nikolaus Bernau
Seite:
32

Raus aus Berlin

Ausstellung über den Palast der Republik nun in Frankfurt a. M.

Die Palast-Ausstellung soll nun doch stattfinden - zwar nicht in Berlin, sondern in Frankfurt am Main im Deutschen Architektur-Museum. Ziemlich zweifelhaft ist inzwischen, dass Kulturstaatsministerin Christina Weiss das Projekt des Stadtmuseums für eine Palast-Ausstellung genau kannte, als sie es vor zwei Wochen ablehnte. Sie reagierte auf polemisierende Berichte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Anfragen eines FDP-Abgeordneten im Bundestag. Beide warfen ausgerechnet dem eher zu vorsichtigen Stadtmuseums-Direktor Kurt Winkler vor, mit der Ausstellung die DDR idealisieren zu wollen.

Doch vielleicht ging es bei der Ablehnung gar nicht um die Ausstellung des Stadtmuseums, sondern um die Palast-Ausstellung an sich. Bundestagsabgeordnete aller Parteien fürchten indessen nichts mehr als eine neue erfolgreiche "Zwischenpalast"-Saison. Viele Besucher des Rohbaues fragten sich ja, warum das Gebäude abgerissen werden muss, bevor überhaupt die Planungen fertig sind für das künftige Humboldt-Forum und die Schlossfassaden, bevor überhaupt Geld gefunden ist für die teuren Projekte. Hier ist doch offenbar die Reihenfolge durcheinander geraten. So aber planen Bundestag und Berliner Senat.

Auch Weiss steht hinter diesem Plan. Sie ist zwar durchaus für elitäre Avantgarde-Projekte in dem Rohbau zu haben, doch Publikums-Erfolge, wie eine Palast-Ausstellung sie hätte werden können, bergen auch immer das Risiko einer zu starken Akzeptanz der ganzen Zwischenpalastnutzung.

Wieder einmal ist Weiss damit aber auch vor dem inhaltlichen Konflikt zurück gewichen. Schon die von FDP- und CDU-Abgeordneten durch blanke Diffamierung erreichte Absage der RAF-Ausstellung stellte den Hauptstadtkulturfonds und seine Jury in Frage. Seither wird der Freiraum enger, in dem vom Bundestag finanzierte Kunst und Geschichtsbetrachtung stattfinden können.

Das letzte Opfer dieser Strategie wurde der norwegische Künstler Lars O. Ramberg. Sein Projekt "ZWEIFEL" - die bis zum Brandenburger Tor hin sichtbaren Leuchtbuchstaben auf dem Palastdach - war von der Jury des Hauptstadtkulturfonds zur Förderung empfohlen und auf Wunsch von Weiss dennoch abgelehnt worden. Die Buchstaben hätten wohl als Kritik am Abriss-Beschluss gelesen werden können. Bezahlt wurde das Projekt dann von einem norwegischen Konzern.

So sorgt nun ein Frankfurter Museum dafür, dass die Debatte um Berlins Mitte geführt werden kann.

25. Mai 2005
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