PDS Fraktion im Deutschen Bundestag vom 2.12.1999:

FDP will Wilhelms Stadtschloß bauen

Palast der Republik ist der Knackpunkt / Heinrich Fink: Abriß wäre Zeichen von Arroganz
von Brigitte Holm (aus LAZ vom Januar 2000)

Nostalgiker mit Siegermentalität bekommen bei diesem Bild feuchte Augen: Berlins Mitte vor dem 1. Weltkrieg - von DDR-Hinterlassenschaften ist weit und breit nichts zu sehen.

Nach Jahren heftiger Diskussion in Berlin um den Palast der Republik und das Stadtschloss brachte die FDP dieses Thema in den Bundestag. Sie stellte einen Antrag »Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses«, der am 2. Dezember 1999 in erster Lesung behandelt wurde. MdB Günther Rexrodt, der für das privat zu finanzierende Projekt warb, erkannte selbst: Der Knackpunkt ist der Palast der Republik.

Dieser Meinung war auch Heinrich Fink, der für die PDS-Fraktion sprach. Er stellte fest, daß es um die zukünftige Architektur der historischen Mitte Berlins und um den wichtigsten öffentlichen Raum der Hauptstadt gehe. Deshalb bedürfe es zuallererst eines detaillierten und schlüssigen Nutzungskonzeptes für die gesamte Spree-Insel.

An die Kolleginnen und Kollegen von der FDP gewandt meinte er: »Ich habe in Ihrem Antrag vergeblich den Palast der Republik gesucht. Sie haben ihn zwar eben mündlich hinzugefügt, aber in Ihrem Antrag haben Sie ihn offensichtlich bereits beerdigt. Dagegen wende ich mich ganz entschieden. Den Standpunkt der PDS in dieser Frage kennen Sie gut. Wenn Sie sich mit der Materie beschäftigt haben, dann wissen Sie auch, daß die PDS in dieser Stadt keineswegs allein für den Erhalt des Palastes nach einer Asbest - Sanierung eintritt. Ihn einfach abzureißen wäre ebenso ein Zeichen von Arroganz und Siegermentalität wie der seinerzeitige Abriß des Schlosses durch die DDR-Führung. Der damalige Abriß des Schlosses war ein Zeichen der Arroganz der Macht; denn das Schloß war nur teilweise zerstört.
(...)
Der Abriß des Palastes wäre aber auch ein kaum geringerer architektonischer Frevel; denn er ist durchaus als zeitgenössisches bauliches Denkmal anzusehen.

Der Palast war ein hochmodernes, multifanktionales Gebäude, und er war ein öffentlicher Raum. Dies sollte er auch bleiben bzw. wieder werden. Jegegliche private oder staatliche Nutzung auf dem Areal Spree-Insel - ob mit einem Hotel oder gar mit einem Gästehaus der Regierung - wäre ein Affront gegen die Interessen der Berlinerinnen und Berliner. Nicht nur die Ostberliner möchten diesen Palast stehen lassen. In jedem Fall muß die gesamte Spree-Insel ein öffentlicher Raum für öffentliche Aktivitäten bleiben. Erst dann, wenn ein Gesamtkonzept vorliegt, sollte entschieden werden, welches der Gebäude dort Dominanz erlangt und in welcher architektonischen Form.«



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