Wir laden Sie herzlich ein zu einem Rundgang durch den ehem. Palast der Republik. War es richtig, daß er
abgerissen wurde? War dies nur die Rache des Kalten Kriegers Günther Noke gegen den Willen der Mehrheit der Berliner Bevölkerung? Ist dies ein alter Ost-West-Konflikt? - Beurteilen Sie die Architektur und besonders auch die Innenarchitektur selbst.
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Als die DDR seinerzeit den Palast der Republik baute, sollte eine neue kulturelle Kategorie entstehen. Zudem: der DDR ging es wirtschaftlich gar nicht gut, sie konnte sich diesen Bau kaum leisten, dennoch hat sie das modernste Kulturgebäude Europas - zumindest was die Innenarchitektur betrifft - gebaut. In der Liste der 65 größten kulturellen Mehrzweckgebäude weltweit - wie etwa die Kongreßhalle in Helsinki von Alvar Aalto oder das Centre Pompidou in Paris oder das ICC in Berlin - steht der Palast der Republik durch seine ausgeklügelte Mehrfunktionalität an erster Stelle, wie die Zeitschrift
"Der Facility Manager" dazu ausführt. Dieser Palast der Republik sollte ein neues Kulturgefühl zum Ausdruck bringen, Vorbild war das Schinkelsche
Volkshaus-Konzept des 19. Jahrhunderts. Dieser modernen Architektur war überall anzusehen, daß die Architekten und Erbauer dem Grundgedanken, Staat und Volk zusammen zu bringen, folgen wollten. Dies ist im besten Sinne eine Fortführung der sogen. "Volkshäuser", einer alten sozialdemokratischen Tradition. Man kann sich heute kaum vorstellen, daß Parlamentsdebatten in einem Hause durchgeführt wurden, in dem es öffentliche Gaststätten, eine Kegelbahn und ein Theater gibt. Jeder Sicherheitsdienst wäre einem Infarkt nahe, wenn die Bannmeile um das Parlamentsgebäude nur knapp 20 m betrüge.
In diesem Haus wurde Geschichte gemacht, hier kann Geschichte gelernt werden. Hier ebnete das erste frei gewählte Parlament der DDR 1990 den Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands. Schon deshalb und nicht zuletzt auch wegen der 40-jährigen Geschichte zweier voneinander getrennter Staaten, die wieder zusammengefunden haben, sollte alles versucht werden, dieses Haus zu erhalten. Zuviel ist in den letzten Jahren verloren gegangen, was den Bürgern des Landes östlich der Elbe von Bedeutung war. Sicher ist auch davor vieles zerstört worden, die schlimmste Sünde war wohl, das Stadtschloß überhaupt abzureißen, aber rechtfertigt das einen erneuten Zerstörungswahn, eine Wiederholung der Sünde auf andere Art?
Zur Zeit kann man dieses Haus nicht betreten, da es gegenwärtig aus bautechnischen Gründen gesperrt ist. Das Haus wird zur Zeit asbestsaniert. Diese Asbestsanierung wurde politisch dramatisiert. Ebenso müßte nämlich z.B. das "Kongreßzentrum" (ICC) sofort gesperrt und langfristig asbestsaniert werden. Die beweglichen Bühnen müßten einmal in der Woche bewegt werden, um sie technisch im Stand zu halten. Es gibt aber kein technisches Personal mehr. Da ein großer Teil der Deutschen nun nicht mehr die Gelegenheit hat, sich die Architektur in seiner Funktionalität anzusehen, laden wir Sie ein, mit uns durch das Haus und seine Vergangenheit zu gehen.
Die Bilder, die zur Verfügung standen, sind sicher nicht vollständig, und vielleicht gibt es auch mehr und bessere Bilder. Wir sind für jede Anregung und Zusendung dankbar, was dazu beitragen könnte, den Rundgang noch anschaulicher und vollständiger zu machen.